March 29, 2020

Entscheidungen dokumentieren im verteilten Arbeiten

Wenn die Arbeit wegen einer Virusepidemie zuhause stattfindet, dann ist es nicht möglich Meetings mit Diskussionen in großem Rahmen stattfinden zu lassen. Das war schon im Büro unangenehm und unproduktiv, aber in einer großen Gruppe online zu diskutieren geht gar nicht. Diskussionen sollte man virtuell und auch reell aufspalten, um sie produktiver zu machen.

Ein viel besserer Ansatz als offene ungeführte Diskussionen sind geschriebene Beschlußfindungen. Diese können in der Versionsverwaltung gehalten werden und von jedem kommentiert und angepasst werden. Am Schluß entsteht ein Dokument aus dem hervorgeht wie ein Beschluß gefunden wurde und warum dieser Beschluss so getroffen wurde.

Jeder kann das Dokument lesen und nachvollziehen, auch im Nachhinein. Die Umsetzung ist damit auch gleich beschrieben, weil die Anforderungen mit aufgeschrieben sind. Im besten Fall ist das Dokument so strukturiert, dass daraus einzelne Unteraufgaben abgeleitet werden können und im Projektmanagementsystem erfasst werden können.

Wertvoll ist der damit einhergende Zwang sich ausführlich Gedanken zum Thema zu machen. Schnellschüße gibt es damit weniger und es kann sich auch niemand beschweren, von der Entscheidung ausgeschlossen zu werden. Falls jemand bestimmte Aspekte nicht bedenkt, kann sich eine andere Person unkompliziert mit einschalten und darauf hinweisen.

Prominente Beispiele dieser Arbeitsweise gibt es viele. Jeff Bezos mit den six-pagers, Pieter Hintjens mit der ZeroMQ-Community sowie die IETF benutzen Request for Comments (RFCs) und ein anderer Begriff sind Architecture Decision Records (ADRs). Die agile Arbeitsweise hat nichts mit unüberlegten Entscheidungen zu tun und deshalb hat Michael Nygard damals die ADRs definiert. Im agilen Entwicklungsprozess wird jede Entscheidung die nicht getroffen werden muss weiter herausgeschoben, um zum Zeitpunkt der Entscheidung möglichst viel zu wissen und möglichst wenig falsch zu entscheiden.

In meinem letzten Projekt habe ich zu einem großen Anteil in Heimarbeit gearbeitet. Meine Kollegen waren viel mehr vor Ort als ich. Das hat dazu gefuehrt, dass ich von Entscheidungen kaum etwas mitbekommen habe, was zu grossem Frust und geringer Anteilnahme geführt hat. Viele Personen empfinden die schriftorientierte Arbeitsweise sicher als umständlich und unangenehm. Da sich aber gerade sehr Viele auf Heimarbeit umorientieren müssen, werden Entscheidungsfindungen in verteilter Arbeit anders stattfinden müssen. Ich hoffe, dass sich möglichst viele einen schriftlichen Ansatz aussuchen, da ich das als besonders vorteilhaft empfinde.

Zusätzliche Quellen:

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